Fundstück: Profi-Tipp zum Doo von EX-Kawasaki-Vertragshändler und Motorentechniker

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KLR650Tengai
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Fundstück: Profi-Tipp zum Doo von EX-Kawasaki-Vertragshändler und Motorentechniker

Beitrag von KLR650Tengai » 09.10.2019, 20:37

Fundstück:

Anmerkungen zur Kawasaki KLR600, KLR650 und Tengai 650


Während unserer Zeit als Kawasaki-Vertragshändler wurden wir natürlich mit den Stärken und Schwächen der damals aktuellen Motorräder (1988-1997) bestens vertraut. Nach entsprechendem Schaden und der Suche nach der Ursache sind wir auf dieses Phänomen gestoßen: Die KLR600/KLR650/Tengai besitzen zur Reduzierung der Motorvibrationen eine Ausgleichswelle. Diese wird mittels Kette über Umlenkrollen, diese exzentrisch gelagert und damit als Ausgleich für die Längung der Ausgleichswellenkette einstellbar, angetrieben. Eine federbelastete Vorrichtung mit viertelkreisförmigem Langloch, geklemmt über eine Schraube, die auf eine Unterlegscheibe im Langloch drückt, sorgt für die Fixierung.
Die Schraube selbst kann von außen betätigt werden, sodass im günstigsten Falle diese Arbeit ohne Demontage des linken Seitendeckels der Lichtmaschine durchgeführt werden kann. Hierzu muss lediglich die Kette durch Drehung an der Kurbelwelle auf Spannung gehalten werden. Diese Arbeit ist im Kundendienstplan mit aufgeführt und sollte alle 6000km durchgeführt werden. Eine Kontrolle, ob diese Arbeit korrekt durchgeführt wurde und ob die Kette nun auch ausreichend gespannt ist, gibt es nicht.
Und das ist der Knackpunkt an der Sache. Eine Kette mit zu viel Spiel ist enormen Kräften, Wechselkräften durch die Kurbelwellenbeschleunigung bei jedem Arbeitstakt, ausgesetzt. Im ungünstigsten Falle führt dies zum Bruch der Kette mit entsprechend verheerenden Folgen bis zur Beschädigung des Motorgehäuses. Nach dem ersten in unsere Werkstatt eingelieferten Schaden haben wir die Ursache analysiert und von da an auf diese Weise reagiert: Bei jedem Kundendienst wurde der Lichtmaschinendeckel abgenommen, die Kette nachprüfbar gespannt und das Ganze wieder mit neuer Dichtung montiert. Dichtungen hatten wir sowieso immer vorrätig sodass keine Verzögerung eingetreten ist.
Dies machte den Kundendienst zwar aufwändiger, aber es ging nie mehr eine Ausgleichskette zu Bruch. Warum ich dies hier schreibe? -–weil gerade wieder eine Maschine von der Autobahn in der Werkstatt steht – und dreimal dürfen Sie raten mit welchem Schaden? Motorgehäuse kaputt, Ausgleichskettenschiene kaputt, Ausgleichswellenkette gerissen mit noch weiteren Folgeschäden. Schaden 1200EURO wenn wir die Reparatur am Motorgehäuse hinkriegen ohne ein neues Gehäuse verwenden zu müssen. Aber mit einem kleinen Trick geht auch das. Und wenn diese kleinen Geheimnisse in jeder Werkstatt berücksichtigt werden dann gehören diese Schäden der Vergangenheit an.

Quelle: https://www.scheuerlein-motorentechnik. ... tengai-650
Kontakt:
Scheuerlein Motorentechnik
Hardtstraße 28
D-91522 Ansbach
Tel.: +49 (0)981-17554
Fax: +49 (0)981-95478
E-mail: info@scheuerlein.de

Und ja, es ist Absicht das im 650er Motor, im 600er Motor und im Smalltalk gepostet zu haben!!!

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Re: Fundstück: Profi-Tipp zum Doo von EX-Kawasaki-Vertragshändler und Motorentechniker

Beitrag von Chef » 10.10.2019, 22:44

:lol:
Tja, so ist das halt, wenn man als Ex-Kawasaki-Vertragshändler und Motorentechniker nur die halbe Wahrheit kennt und sowas als Profi-Tipp absondert.
Aber wen wundert's - ein Kawasaki-Vertragshändler hat von diesbezüglichen Problemen bis heute noch nieeeeee was gehört... :lach:

Wäre nur noch interessant zu wissen, von wann der Tipp stammt.
Obwohl - als die Tipps für aktuelle Maschinen interessant waren, gab's noch gar kein Internet, insofern... :roll:

Andere Frage an der Stelle: hat schon jemals jemand einen 600er-Motor mit gerissener Ausgleichskette gesehen?
Steuerketten (wegen dem miesen Spanner) ja, aber gerissene Ausgleichsketten?
Ich hab' mittlerweile den Verdacht, dass das nur ein Problem der 650er-Motoren ist, wenngleich der Doo der gleiche ist (Blech-Doo, 1. Generation).


Gruß Chef
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Re: Fundstück: Profi-Tipp zum Doo von EX-Kawasaki-Vertragshändler und Motorentechniker

Beitrag von Buchtelino » 15.10.2019, 20:33

Dichtungen hatten wir sowieso immer vorrätig sodass keine Verzögerung eingetreten ist.
Das klingt mir echt wie so ne asiatisch-deutsche online-Übersetzung.
Würde mal sagen, das Original kommt von einer japanischen Verkaufsplattform... :gruebel:

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